Osteopathische Heilkunde

Die Osteopathie ist eine Heilkunde, die einen ganzheitlichen Ansatz verfolgt und auf der Grundlage von Naturgesetzen beruht. Leben ist Bewegung ...

Deshalb ist die Basis der osteopathischen Heilkunde, die lebensnotwendige Beweglichkeit aller Systeme des Organismus zu bewahren bzw. wieder herzustellen. Jedes nicht korrekt funktionierende Körperteil wirkt sich immer auf den ganzen Körper aus.

Durch einen Osteopathen werden vordergründig nicht die Symptome oder Krankheitsbilder behandelt. Stattdessen wird nach den Ursachen, die den Menschen aus dem Gleichgewicht gebracht haben, gesucht. Das Ziel der Behandlung ist die Stimulation der angeborenen Selbstregulierungs- und Selbstheilungskräfte - die Heilung erfolgt von innen.

J. A. Still sagt: "Ziel des Osteopathen sollte es sein, Gesundheit zu
                             erreichen. Krankheiten kann jeder finden."

Nach Auswertung einer gründlichen Anamnese, der klinischen und medizinischen Befunde (Röntgenbilder, Laborwerte etc.) erfolgt eine im wesentlichen manuell ausgeführte osteopathische Diagnostik. Der Osteopath erfühlt dabei Spannungs-zustände, Bewegungseinschränkungen und Blockaden. Ab diesem Zeitpunkt gehen Behandlung und osteopathische Diagnostik fließend ineinander über (Tastbefund und Mobilisation durch die Hände).

Eine Behandlung dauert in der Regel zwischen 45 und 60 Minuten.

Geschichte der Osteopathie

Andrew Taylor StillGründer der Osteopathie ist der amerikanische Arzt und methodistische Pfarrer Andrew Taylor Still (1828 - 1917). Nachdem er 1864 zusehen musste, wie drei seiner Kinder an Hirnhautentzündung starben, suchte er nach Beding-
ungen, unter denen Gesundheit mögich ist. Er entwickelte ein neues Verständnis von Gesundheit und Krankheit, vom menschlichen Körper und von der Rolle der Medizin.

1874 behandelte er erfolgreich die Ruhr.

1884 stellte er dann ein Untersuchungs- und Behandlungs-
konzept vor, das bis heute Bestand hat und noch immer weiterentwickelt wird.

1892 wurde die erste Schule - the American School of Osteopathy - gegründet.

1912 entstand in London die erste europäische Schule für Osteopathie, gegründet von Dr. Martin John Littlejohn.

In den 1930er Jahren entwickelte William Garner Sutherland die cranio-sacrale Therapie, der Franzose Jean-Pierre Barral und andere widmeten sich der visceralen Osteopathie.

Erst 1973 wurde auch in Deutschland das College Sutherland gegründet.

Kein Wunder, dass diese Methode auch heute noch bei Medizinern und Patienten relativ unbekannt ist. Eine staatliche Anerkennung und Regelung dieses Berufes noch nicht erfolgt. Heute bieten auch andere private Akademien und Institute die Ausbildung Physiotherapeuten, Ärzten und Heilpraktikern berufsbegleitend an. Die Ausbildung umfasst in der Regel fünf Studienjahre.

Leider gibt es mittlerweile viele Trittbrettfahrer, die Wochenendkurse in "Osteopathie" oder sogenannten "Osteopathischen Techniken" anbieten. Da in Deutschland das Berufsbild des Osteopathen nicht existiert, gibt es auch keine Regeln, wer Osteopathie anbieten darf.

Wir empfehlen daher immer, sich vor einer Behandlung von der Qualifikation des Anbieters zu überzeugen.

Was sind Faszien

Bis vor kurzem war man davon ausgegangen, dass wir unsere Form durch die Anatomie ausreichend beschreiben können. Da aber den traditionellen Anatomen hauptsächlich das Messer, Skalpell oder Laser zum Zertrennen entlang der bindegewebigen Grenze zwischen verschiedenen Geweben zur Verfügung steht, blieb die Rolle des Bindegewebes als ganzes bzw. als miteinander verbundenes Geflecht oder Fasziennetz verborgen.

Fasziennetze (Weichteilkomponente des Bindegewebes) bestehen hauptsächlich aus drei grundsätzlichen Typen von Kollagen- Elastin- und Retikulinfasern und umgeben, umkleiden, trennen, schließen ein, unterteilen, lenken Flüssigkeiten, schützen, isolieren und bilden Puffer für Organe, Knochen, Nerven, Muskeln, Gefäße usw. Jeder Muskel, jedes Muskelbündel, jede Muskelfaser, jeder Nerv wird von Fasziennetzen umgeben.

Doch das Fasziennetzwerk trennt nicht nur die verschiedensten Bereiche, sondern es verbindet noch viel mehr als es trennt, denn es verbindet jede Körperzelle mit ihrem Nachbarn.

Faszien können sich aktiv zusammenziehen, unabhängig von den dazu gehörigen Skelettmuskeln. Die Universität Ulm konnte nachweisen, dass normale Faszien mit glattmuskelähnlichen kontraktilen Zellen besiedelt sind, den Myofibroblastern. Diese Bindegewebszellen, bekannt von der Wundheilung, scheinen in der Lage zu sein, lokale Gewebesteifigkeit dynamisch zu verändern, je nach genetischer Konstitution, mechanischer Belastungsdynamik und biochemischem Milieu.

Die neueste Faszienforschung legt nahe, dass die Faszien eines unserer reichhaltigsten Sinnesorgane darstellen. Es ist anscheinend für die Wahrnehmung des eigenen Körpers in Haltung und Bewegung (Propriozeption) unser wichtigstes Sinnesorgan. Da das Faszien-Netz über den ganzen Körper verteilt und aus hunderten von Membranen, Beuteln und strangartigen Verdickungen besteht, scheinen sie eine ebenso wichtige Rolle zu spielen wie die Gelenkrezeptoren und Muskelspindeln.

Faszien sind reichhaltig mit nozizeptiven Nervenendigungen (Gebilde wie Nerven zu anderen Nerven Verbindung halten) besiedelt, das heißt sie können eine Quelle muskuloskelettaler Schmerzen darstellen.

Seit dem 1. Fascia Research Congress in Boston 2007 sind Faszien zunehmend in das internationale wissenschaftliche Interesse gerückt. Sehr viele wissenschaftliche Studien widmen sich heute der extrazellulären Matrix oder den Fasziennetzen.