Häufig gestellte Fragen (FAQ) zur osteopathischen Medizin

Es gibt Fragen, die immer wieder von Patienten oder interressierten Menschen gestellt werden. Diese Fragen haben wir hier zusammengefasst und beantwortet. Sollten Ihre Fragen noch nicht beantwortet sein, scheuen Sie sich bitte nicht uns zu kontaktieren.

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Was ist osteopathische Medizin?

Darüber lässt sich ein ganzes Buch schreiben.
Also ganz kurz: Die osteopathische Medizin ist eine Wissenschaft, eine Philosophie und eine Kunst. Die Wissenschaft ist die Kenntnis von der Anatomie, Physiologie, Biochemie und Pathologie des Menschen. Die Philosophie basiert auf dem Prinzip, dass der menschliche Körper eine biologische Einheit ist. Alle Strukturen und Funktionen von Geweben, Organen und Körpersystemen stehen in wechselseitiger Abhängigkeit und beeinflussen sich gegenseitig. Die Kunst ist die Erkrankung verursachenden Spannungen, Störungen und Blockaden im Menschen mit erfahrenen Händen zu diagnostizieren, zu lösen und die Selbstheilungskräfte zu mobilisieren.

Die Betonung liegt dabei auf ursächlich. Die osteopathische Medizin ist daher eine ganzheitliche Medizin und kein Spezialgebiet der Orthopädie oder Rheumatologie und auch kein spezielles Behandlungskonzept in der Physiotherapie.

Erlebt die osteopathische Medizin momentan einen Nachfrage-Boom?

Nach der Etablierung der Osteopathie in den angelsächsischen Ländern breitete sie sich zunächst langsam und vorsichtig auch in Europa aus. Mit dem wachsenden Bekanntheitsgrad in den letzten Jahren steigt natürlich auch die Nachfrage. Eine Ursache dafür liegt wohl in der Unzufriedenheit der Patienten mit den Rahmenbedingungen unseres Gesundheitssystems, die den Ärzten heute aus zeitlichen Gründen keine Möglichkeiten lassen, eine ganzheitliche, patientenorientierte Diagnostik und Anamnese zu erheben. Die Folge ist, dass in der Schulmedizin oft nur die Symptome behandelt werden.

Worin besteht der Unterschied, z.B. zur Orthopädie?

Die Orthopädie ist ein Fachbereich innerhalb der Medizin und der Orthopäde ist ein Facharzt, der auf Krankheiten des Bewegungsapparates spezialisiert ist, diese diagnostiziert und behandelt.

Ein Ansatz der osteopathischen Medizin ist die Einheit des Wesens „Mensch“.
Selbst wenn Patienten identische orthopädische Symptome zeigen, ist die Ursache oft für jeden Patienten eine andere. Jeder Patient ist einzigartig und der Osteopath sucht dann die mechanischen Funktionsketten nicht nur im Bereich der Orthopädie, die bei genau diesem Patienten zu seinen Symptomen geführt haben. Das schließt selbstverständlich eine Zusammenarbeit mit Fach- oder Hausärzten nicht aus. Im Gegenteil, wir halten eine solche Zusammenarbeit zum Wohle des Patienten für sehr wichtig.

Welche Behandlungsansätze gibt es in der osteopathischen Medizin?

„Leben ist Bewegung und ohne Bewegung findet Leben nicht statt.“

Ein wichtiger Ansatz in der osteopathischen Medizin ist die freie Beweglichkeit der verschiedenen Körperstrukturen und nicht die ideale Position eines Gelenks oder die ideale Körperhaltung. Auch die Bewegung der Körperflüssigkeiten ist von grundlegender Bedeutung für die Aufrechterhaltung der Gesundheit.

Hier spielen die Nerven eine zentrale Rolle bezüglich Steuerung und Informationsaustausch. Sie sehen die unteilbare Einheit des Wesens „Mensch“ und auch die wechselseitige Abhängigkeit von Struktur und Funktion. Der Körper verfügt über einen hohen Grad an Perfektion, der ihm die Möglichkeit der körpereigenen Abwehr, der Selbstregulierung und der Selbstheilung verleiht.
Diese Ansätze bestimmen im wesentlichen unser Handeln. Die Richtigkeit wird durch die therapeutischen Erfolge immer wieder bestätigt.

Bei welchen Beschwerden ist eine osteopathische Behandlung sinnvoll?

Bei allen Symptomen, die durch Bewegungsverlust von Körperstrukturen – also Organen, Gelenken, Bändern – oder von Körperflüssigkeiten wie Blut, Lymphe oder Gehirnflüssigkeit ausgelöst werden. Die Ursachen können sehr direkt sein, z.B.
eine Verstauchung, Entzündung oder Operation, oder aber indirekt, wie gewisse Lebensgewohnheiten oder Ernährungsmuster.

Ein Beispiel: Der Bewegungsverlust der weiblichen Beckenorgane kann Schmerzgefühl im Unterbauch, zyklusabhängige Schmerzen, Schlaflosigkeit, Schmerzen in der Lendenwirbelsäule, Knie-Innenseite, Leiste, Brustkorb, Schulter, Kopf oder einem Schweregefühl in den Beinen führen. Weitere Symptome können Menstruationsbeschwerden, Blasenentzündung, Harninkontinenz, Krampfadern oder Hämorrhoiden sein.

Sie sehen: die Liste ist lang und gleiche Symptome bedeuten noch lange nicht gleiche Ursachen. Die Hämorrhoiden des Nachbarn männlichen Geschlechts sind das gleiche Symptom, jedoch ist hier die Behandlung ganz anderer Strukturen notwendig. Einzig die symptomatische juckreizstillende Salbe wird wohl beiden eine gewisse Erleichterung schaffen.

Wie geht man bei einer osteopathischen Behandlung vor?

Sie beginnt mit einer ausführlichen Anamnese, also der Sammlung wichtiger Informationen. Alle Erfahrungen hinterlassen ihre Spur im Körper. Deshalb beginnt die Anamnese bereits oft vor der Geburt. Ebenfalls erfasst werden klinische und medizinische Befunde (Röntgenbilder, Laborberichte), Operationen, Traumata, Medikamente bis hin zu den Ernährungs- und Lebensgewohnheiten.

Anschließend erfolgt eine diagnostische Untersuchung. Sie dient einerseits dazu, die Ursache für die vorhandenen Symptome zu finden und andererseits der Klärung, ob eine andere Therapie für den Patienten effektiver oder sogar notwendig ist. Gerade hier ist viel Raum für eine effektive Zusammenarbeit mit anderen medizinischen oder therapeutischen Disziplinen. Oft sind Symptome mehrdeutig und die Ursache lässt sich erst durch eine konkretere ärztliche Abklärung finden. Wenn dann einer Behandlung nichts im Wege steht, beginnt die eigentliche osteopathische Diagnostik mit gleichzeitiger Behandlung.

Kann der Patient eine osteopathische Behandlung unterstützen?

Natürlich – durch alle Faktoren, die seine Gesundheit unterstützen: körperliche Bewegung, gesunde Ernährung, Entspannung oder die positive Veränderung von Arbeits- und Lebensbedingungen. Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen.

Wer übernimmt die Kosten für eine osteopathische Behandlung?

Die osteopathische Medizin ist eine reine Privatleistung und wird von den gesetzlichen Krankenversicherungen in der Regel nicht erstattet. In jüngerer Zeit haben sich aber einige Versicherungen auch gegenüber der osteopathischen Medizin geöffnet und erstatten osteopathische Behandlungen in gewissen Grenzen. Eine Auflistung der Leistungen gesetzlicher Krankenversicherungen finden sie hier.

Privatversicherte oder gesetzlich Versicherte, die eine Zusatzversicherung mit Heilpraktikerleistungen abgeschlossen haben, können ihre Rechnung einreichen und bekommen die Leistungen im Rahmen ihres Versicherungstarifs auch erstattet.

Wie werden Osteopathen ausgebildet?

Im Ursprungsland USA sind die über 40.000 praktizierenden Osteopathen Ärzte, in Europa gibt es unterschiedliche Regelungen. In Deutschland gibt es zur Zeit nur in Hessen den staatlich anerkannten Osteopathen und damit verbindliche Richtlinien.

Für Ärzte, Heilpraktiker und Physiotherapeuten wird die Ausbildung berufsbegleitend über einen Zeitraum von vier bzw. fünf Jahren mit circa 1.600 Ausbildungsstunden angeboten. Ohne medizinische Vorkenntnisse geht das nur durch eine Vollzeitausbildung.

In Deutschland (ausser Hessen) gibt es das Berufsbild eines Osteopathen noch nicht. Hier kann jeder, der einen Wochenendkurs "Osteopathische Techniken" besucht hat, oder seine Prüfungen nicht bestanden hat, "Osteopathie" anbieten. Der Begriff Osteopathie ist in Deutschland leider nicht geschützt und nicht überall ist osteopathische Medizin drin, wo Osteopathie draufsteht.

Wie findet man einen qualifizierten Osteopathen?

Der Verband der Osteopathen in Deutschland e.V. (VOD) führt ein Mitgliedsverzeichnis über qualifizierte Osteopathen. Osteopathen, die nach bestandener Prüfung noch eine Diplomarbeit geschrieben haben, dürfen die Zusatzbezeichnung D.O. tragen. Wer bereits einen Osteopathen kennt, kann natürlich auch direkt konkrete Fragen bezüglich seiner Qualifizierung stellen. Dazu raten wir grundsätzlich, denn eine Mitgliedschaft im VOD ist für qualifizierte Osteopathen nicht obligatorisch.